Marianische Schützenbruderschaft

Die Marianische Schützenbruderschaft feiert 500-jähriges Bestehen (hinten v.l.): Heribert Kullmann, Hans-Jürgen Burbach, Gerhard Kullmann, Kamino der Gaukler (vorne) und Team. (Foto: Uli Engers)

Gaukler Tamino und Kostüme ließen frühere Jahrhunderte lebendig werden. Brudermeister Heribert Kullmann, König Hans-Jürgen Burbach und Präses Gerhard Kullmann (hinten v.l.) blickten auf 500 Jahre Schützenbruderschaft zurück. Foto NGZ 21.09.2009
"Eine kleine Welt an einem Tisch"
Die Marianische Schützenbruderschaft 1509 in Wevelinghoven feierte ihr 500-jähriges Bestehen. Die Gemeinschaft hat es sich zu einer ihrer Aufgaben gemacht, christlichen Menschen aus anderen Teilen der Welt – etwa aus Nigeria, Irak und Sri Lanka – eine neue Heimat zu bieten.
Beim Wevelinghovener Schützenfest hatte sie mit etlichen Gastabordnungen für einen Rekord-Umzug gesorgt, die Marianische Schützenbruderschaft setzt im Ort Zeichen – seit 500 Jahren. Jetzt wurde gefeiert: Nach dem Gottesdienst mit Präses Gerhard Kullmann und Pfarrer Heinz-Theo Lorenz ließen beim Fest in der Realschul-Aula "Tamino der Gaukler" und die "Dunnerkeyle" mit Jonglage und Gesang die ersten Jahrhunderte der Schützenbruderschaft lebendig werden. Zahlreiche Vertreter befreundeter Schützenbruderschaften und -vereine sowie Bezirksbundesmeister Robert Hoppe feierten mit.
Vor neun Jahren fand Brudermeister Heribert Kullmann in einem Archiv eine Urkunde aus dem Jahr 1509, in der die "Bruderschaft unserer Lieben Frau" erwähnt wurde. So hieß die Bruderschaft, die sicher noch älter ist, damals. In der Zeit um 1600 unterstützte sie den Unterhalt von Pfarrer, Schulmeister und Küster. Unter Napoleon wie andere verboten, wurde die Marianische Schützenbruderschaft 1924 wiederbelebt (siehe Infokasten).
Das Engagement für die Gemeinschaft blieb bis heute erhalten. Die Marianer mit rund 60 Mitgliedern übernehmen viele Aufgaben in der Pfarre St. Martinus, gestalten Friedensgebete und Marienandachten, laden aber auch zu Mundart-Abenden ein. Die Schützenbruderschaft, zu der auch ein Grenadierzug zählt, ist Freundeskreis, Schützenverein und christliche Gemeinschaft in einem. "Männer, Frauen, ganze Familien sind Mitglied. Frauen waren, wie eine Urkunde belegt, schon 1782 dabei", erzählt Heribert Kullmann.
In den Reihen sind längst nicht nur waschechte "Wievekover" zu finden, sondern auch Menschen etwa aus Afrika und Asien: "Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Christen, die ihre Heimat verloren haben, zu helfen, bei uns eine neue zu finden", erläutert Hans-Jürgen Burbach, der stellvertretende Brudermeister bildet mit seiner Frau Brigitte das Jubiläums-Königspaar. Die praktische Hilfe reicht von der Wohnungssuche bis zu Behördengängen – doch ganz besonders wichtig ist natürlich die Gemeinschaft: "Hier habe ich viele Freunde gefunden", erzählt Kevin Ahuzi.
Der 35-Jährige kam vor zwölf Jahren aus Nigeria nach Deutschland, vor drei Jahren repräsentierte er mit seiner Frau die Marianer als Königspaar. Seit vielen Jahren sind auch die beiden miteinander verwandten Familien Tahan aus dem Irak Mitglied. "Die Schützenbruderschaft hat uns sehr bei der Integration geholfen. Der gemeinsame christliche Glauben verbindet", sagt Shukur Tahan (17). Sein Onkel Janan Tahan (53) gehörte im Irak einer Marianischen Bruderschaft an, in Wevelinghoven war er vor vier Jahren König der Marianer. "Unsere Bruderschaft ist eine kleine Welt an einem Tisch", erklärt Burbach.
Die Wevelinghovener Marianer pflegen Traditionen und stellen sich neuen Aufgaben. "Wir möchten die Pflege des alten Missionskreuzes an der Kirche übernehmen", kündigt Hans-Jürgen Burbach an. Ein weiteres Projekt für die Zukunft: In den Archiven soll nach dem bislang unbekannten Gründungsdatum geforscht werden.
Quelle: NGZ / CARSTEN SOMMERFELD